Metallarbeitgeber fordern Arbeitsministerin Nahles auf, Pläne für befristete Teilzeit nicht mehr weiterzuverfolgen

Michael Kempter, Geschäftsführer, Südwestmetall-Bezirksgruppe Rems-Murr: "Rückkehrrecht in Vollzeit überfordert Unternehmen und Kollegen"

Erstellt am: 05/16/2017

WAIBLINGEN – Die Metallarbeitgeber in der Region Rems-Murr haben Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles aufgefordert, ihre Pläne für eine befristete Teilzeit mit Rückkehrrecht in Vollzeit nicht mehr weiterzuverfolgen. „Auf den ersten Blick mag das Vorhaben vielleicht verlockend klingen. Aber in der Praxis würde ein solches Gesetz mehr schaden als nützen“, sagte Michael Kempter, Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Rems-Murr.  „Ein solcher befristeter Teilzeitanspruch würde die Unternehmen und die übrigen Arbeitnehmer schlichtweg überfordern.“

Wenn  ein Mitarbeiter heute in Teilzeit gehe, könne der Arbeitgeber eine weitere Teilzeitstelle unbefristet besetzen. „Künftig könnten die Ersatzkräfte aber nur noch befristet eingestellt werden bis der Stammbeschäftigte wieder in Vollzeit zurückkehrt. Solche Jobs wären aber das Gegenteil von dem, was die Politik, die ja gerne von „prekärer Beschäftigung“ spricht, doch erklärtermaßen haben will“, erklärte der Arbeitgebervertreter: „Zudem lassen sich qualifizierte Ersatzkräfte in Branchen wie der Metall- und Elektroindustrie schon heute kaum als Teilzeitbeschäftigte finden, geschweige denn mit Befristung.“

Die Folge wäre, dass viele Unternehmen die Arbeit entweder auf die verbliebene Belegschaft verteilen oder ihre Kapazitäten reduzieren und Aufträge ablehnen müssten, sagte der Bezirksgruppen-Geschäftsführer. „Das kann im Ernst niemand wollen“, betonte er. „Ministerin Nahles ist mit ihren realitätsfernen Plänen aus gutem Grund bislang bei ihrem Koalitionspartner gegen die Wand gelaufen. Sie sollte ihr Vorhaben jetzt endlich aufgeben.“ Arbeitgeber müssen planen können – gehe es nach Nahles, könne sich jemand auf eine Vollzeitstelle bewerben, obwohl er schon jetzt auf Teilzeit spekuliert.

Wenn Beschäftigte nicht in Vollzeit zurückkehren können, liege dies meist nicht an betrieblichen, sondern an privaten Gründen, etwa einer fehlenden Kinderbetreuung. Hier muss sich die Politik um einen konsequenten Ausbau bemühen, denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist und bleibt ein wichtiges Thema. Die Arbeitgeber hingegen stünden den Wünschen ihrer Beschäftigten nur selten im Wege, wenn diese ihre Arbeitszeit wieder verlängern möchten, so Kempter: „In der Metall- und Elektroindustrie scheitert die Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit in unter zwei Prozent der Betriebe. Und dort, wo sie aus betrieblichen Gründen misslingt, sind das Gründe, die kein Gesetz abschaffen kann.“ Die Politik sollte daher besser auf die Betriebsparteien vertrauen, anstatt sie zu bevormunden. „Wir wollen weiterhin auf partnerschaftliche Lösungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern setzen“, betonte Kempter.  Zudem sein schon jetzt Teilzeitbeschäftigte bei entsprechender Eignung gesetzlich vorrangig zu berücksichtigen, wenn es um die Besetzung entsprechender Arbeitsplätze gehe.

 

Info: Der Arbeitgeberverband Südwestmetall ist einer der größten industriellen Arbeitgeberverbände Deutschlands. Er vertritt in Baden-Württemberg die arbeitsrechtlichen, tarif-, sozial- und bildungspolitischen Interessen von rund 1.000 Mitgliedsbetrieben der Metall- und Elektroindustrie mit fast 500.000 Beschäftigten. Die Bezirksgruppe Rems-Murr als eine von insgesamt 13 regionalen Vertretungen betreut 102 Mitgliedsbetriebe mit über 20.000 Beschäftigten im Rems-Murr-Kreis.

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Datum: 17.7.2018

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