Kempter: „Quote setzt nur bei Symptomen an und vernachlässigt Ursachen für geringen Frauenanteil in Führungspositionen“

Südwestmetall lehnt Forderungen der SPD im Wahlkampf nach gesetzlicher Frauenquote in Unternehmensvorständen ab

Erstellt am: 09/22/2017

WAIBLINGEN – Die Forderung der SPD im laufenden Bundestagswahlkampf nach einer gesetzlich verpflichtenden Frauenquote in Unternehmensvorständen stößt auf entschiedenen Widerstand der Arbeitgeber in der Region Rems-Murr. „Dies würde einen massiven Eingriff in die unternehmerische Freiheit darstellen und dem heimischen Wirtschaftsstandort schaden“, sagte der Geschäftsführer der Bezirksgruppe Rems-Murr des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Michael Kempter, am Montag in Waiblingen: „Maßstab für die Besetzung von Vorstandsposten müssen weiterhin Qualifikation und Leistung sein.“ Die übergroße Mehrheit der Unternehmensvorstände bestehe aus ein bis drei Personen. „Die Regulierung solcher Kleinstgremien ist unverhältnismäßig“, kritisierte er.

Mit einer Quote würde man zudem lediglich die Symptome behandeln, anstatt bei den wirklichen Ursachen für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen anzusetzen, erklärte Kempter: „Wegen oft langer Ausstiegszeiten nach der Geburt eines Kindes und in der Folge Teilzeitarbeit steigen heute viele Frauen beruflich nicht so weit auf, um für eine Führungsaufgabe in Frage zu kommen.“ So sind über 90 Prozent der erwerbstätigen Männer, doch nur etwa die Hälfte der erwerbstätigen Frauen vollzeitbeschäftigt. In der Familienphase vergrößert sich diese Differenz noch: Während 94 Prozent der Väter mit Kindern unter drei Jahren vollzeitbeschäftigt sind, sind dies nur 30 Prozent der Mütter.

„Damit Frauen schneller wieder in Vollzeit in den Beruf zurückkehren können, brauchen wir endlich ausreichend bezahlbare Kinderbetreuungs- und Ganztagsschulangebote statt ein überholtes Proporzdenken, das auch immer diejenigen benachteiligt, die nicht unter die bevorzugte Gruppe fallen“, sagte Kempter. Hier sei der Staat in der Pflicht, zügig die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. „Das ist der richtige Weg – und nicht die Gängelung der Unternehmen mit immer neuen gesetzlichen Auflagen“, betonte er. So zeige der Gleichstellungsatlas der Bundesregierung, dass in Gebieten mit guten Betreuungsangeboten auch mehr Frauen in Vollzeit und in Führungspositionen tätig sind. „Wenn es gelingt, die Kinderbetreuung massiv auszubauen, wird auch die Erwerbsbeteiligung von Frauen nachhaltig steigen, und in der Folge werden mehr Frauen in Positionen gelangen, die sie für eine Tätigkeit im Vorstand eines Unternehmens qualifizieren“, erklärte der Bezirksgruppen- Geschäftsführer: „So wird ein Schuh daraus, und nicht umgekehrt.“

Gleichzeitig müsse beim Berufswahlverhalten von Frauen angesetzt werden. „Wir müssen schon an den Schulen dafür werben, dass sich mehr Mädchen für technisch-naturwissenschaftliche Themen interessieren und sich später auch für eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich entscheiden“, sagte Kempter: „Südwestmetall engagiert sich hier mit zahlreichen Projekten.“ Eine ganz entscheidende Rolle komme dabei aber auch der Berufsorientierung an den Schulen zu. „Das Land geht hier mit der Einführung des Schulfachs ‚Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung‘ in die richtige Richtung“, bemerkte er.

Der Arbeitgeberverband SÜDWESTMETALL ist einer der größten industriellen Arbeitgeberverbände Deutschlands. Er vertritt in Baden-Württemberg die arbeitsrechtlichen, tarif-, sozial- und bildungspolitischen Interessen von rund 1.000 Mitgliedsbetrieben der Metall- und Elektroindustrie mit fast 500.000 Beschäftigten. Die Bezirksgruppe Rems-Murr als eine von insgesamt 13 regionalen Vertretungen betreut mehr als 100 Mitgliedsbetriebe mit über 20.000 Beschäftigten im Rems-Murr-Kreis.

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Datum: 21.10.2018

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