Prochaska: "Eine Eskalation des Handelskonflikts zwischen USA und China würde deutsche Unternehmen hart treffen"

Südwestmetall-Mitgliederversammlung: Wirtschaft ist wegen Risikos eines Handelskrieges besorgt

Erstellt am: 04/19/2018

WAIBLINGEN – Der Vorsitzende der Bezirksgruppe Rems-Murr des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Dr. Michael Prochaska, hat vor gefährlichen Protektionismustendenzen in der Welt gewarnt. „Es droht eine Spirale von wechselseitigen Strafzöllen, die sich zu einem regelrechten Handelskrieg auswachsen und die Weltkonjunktur schwer in Mitleidenschaft ziehen könnte“, sagte Prochaska am Donnerstag bei der der Mitgliederversammlung der Bezirksgruppe in Waiblingen: „Ein Handelskrieg zwischen den USA und China würde auch europäische, und insbesondere deutsche Hersteller in Mitleidenschaft ziehen. Die USA sind das wichtigste Exportland für deutsche Firmen und China ist der wichtigste Handelspartner. Auf beiden Märkten sind deutsche Unternehmen stark engagiert.“

So produzierten beispielsweise Daimler und BMW in den USA Autos für den chinesischen Markt – und wären damit direkt von Zöllen betroffen, die China zur Vergeltung von US-Handelsstrafen verhängen könnte, erklärte Prochaska: „Umgekehrt liefern auch viele deutsche Unternehmen von Fertigungsstätten in China aus in die USA, und würden damit von den geplanten US-Strafzöllen getroffen.“ Die deutsche Wirtschaft habe daher ein großes Interesse daran, dass alle Staaten im Außenhandel wieder zu einem regelgebundenen Verfahren zurückkehrten. „Eine Eskalation des Handelskonflikts wäre eine ‚Lose-Lose-Situation‘ für alle Seiten“, sagte er.

Mit Blick auf die neue Bundesregierung kritisierte der Arbeitgebervertreter, dass sich aus dem Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD nicht erschließe, wie der Wohlstand für die Menschen in Deutschland gesichert werden solle. „Ohne ausreichenden Spielraum und genügend Beweglichkeit für die Unternehmen wird dies jedenfalls nicht gelingen“, sagte der Arbeitgebervertreter: „Die große Koalition sollte deshalb dringend noch einmal überdenken, ob sie der Wirtschaft mit den geplanten Einschränkungen bei den sachgrundlosen Befristungen von Arbeitsverhältnissen ein dringend benötigtes Flexibilisierungsinstrument aus der Hand schlagen will.“ Dem erklärten Ziel der Regierung, die Langzeitarbeitslosigkeit deutlich zu reduzieren, werde man mit einer Erhöhung der Einstiegshürden in den Arbeitsmarkt sicherlich nicht näherkommen.

Prochaska erinnerte daran, dass Deutschland die großen Erfolge auf dem Arbeitsmarkt nicht zuletzt der Agenda 2010 zu verdanken habe. "Was wir jetzt brauchen ist eine Agenda 2030, die unseren Standort für die kommenden Herausforderungen fit macht“, sagte der Bezirksgruppen-Vorsitzende. Um neue Arbeitszeitmodelle im Rahmen der Digitalisierung der Wirtschaft zu ermöglichen, müsse beispielsweise dringend das Arbeitszeitrecht flexibilisiert werden. Modernen flexiblen Arbeitszeitmodellen würden heute etwa durch die tägliche Höchstarbeitsgrenze von acht beziehungsweise zehn Stunden zu enge Grenzen gesetzt. Dasselbe gelte für die gesetzliche elfstündige Ruhezeit zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn.

 

Info: Der Arbeitgeberverband SÜDWESTMETALL ist einer der größten industriellen Arbeitgeberverbände Deutschlands. Er vertritt in Baden-Württemberg die arbeitsrechtlichen, tarif-, sozial- und bildungspolitischen Interessen von rund 1.000 Mitgliedsbetrieben der Metall- und Elektroindustrie mit fast 500.000 Beschäftigten. Die Bezirksgruppe Rems-Murr als eine von insgesamt 13 regionalen Vertretungen betreut rund 100 Mitgliedsbetriebe mit über 20.000 Beschäftigten im Rems-Murr-Kreis.

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Datum: 22.4.2019

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